*Nachts zog einer aus – Oden zu essen. Er fand – Idyll und Kuchen.

夜に出て おでん見つけて ケーキかな

Gestern wurde es etwas spät. Daher der Entschluss, heute Japanisch zu lernen und etwas zu programmieren. Doch den ganzen Tag zu Hause zu sitzen, das geht nicht. Am Abend die Idee: 静岡おでん, Oden im Shizuoka-Stil, ausprobieren. Das gibt es in einem Laden in 松蔭神社, ungefähr 40min zu Fuß von mir entfernt. Zeit für eine simple Abendwanderung durchs stille Setagaya.

Es ist nicht nicht mal sieben. Doch schon geht die Sonne unter.

Auf dieses Bild oben bin ich stolz. Allerdings: Wer ist „Smokee“? Warum sitzt er oder sie ein? Und warum wird Grafitti nicht in Hiragana, Katakana und Kanji gesprüht?

Nach der Autobahnüberführung entdecke ich einen Schrein.

Kakteen vor einem Wohnhaus, beleuchtet, wie in einem botanischen Garten.

Angekommen. Ich bin der einzige Gast. Ich bin wohl zu früh.

Der Master ist ein Riese. Ich schätze ihn auf Anfang Vierzig, mit Brille und freundlichem Lächeln. Er und die nette Bedienung heißen mich willkommen. Wir plaudern etwas. Natürlich lobt nach dem dritten Wort der Master mein Japanisch. Das muss man dann immer mit いいえ、まだまだです („Nein, noch lange nicht gut“) abstreiten. Er war schon in Berlin und mag Currywurst und die Techno-Musik in Kreuzberg. Ich lächle und stammle, dass letztere nicht so die meine ist. Aber ich führe an, dass einer der Altkanzler jeden Tag Currywurst aß (etwas übertrieben). Sie lassen mich mich willkommen fühlen. Man merkt, dass sie gerne plaudern, wenn sie merken, dass das Gegenüber zumindest etwas Japanisch spricht. Ich lasse mich bezüglich des Odens beraten. Rettich und Ei (大根と卵) müssen es auf jeden Fall sein. Ansonsten verlasse ich mich auf das 盛り合わせ。

Nicht erschrecken: Ein anderer Anfang-Vierziger (外国人) nach langer Wanderung. Erkennbar an zerzaustem Haar, Schweiß und Falten (nun gut, die gab es schon davor).

Eigentlich ist Oden ein Eintopfgericht, mit einer herzhaften Brühe, und großstückigen Zutaten wie Ei, Rettich, Tofu, oder Konyakwurzel. Die Menschen aus Shizuoka servieren die Eintopfzutaten aber in einer etwas stärkeren Soße, mit mehr Soja (daher die dunkle Farbe) und oftmals mit Holzspießchen. Das sieht dann so aus:

Dieser Oden ist köstlich. Wenn auch viel zu viel davon auf dem Teller war. Ich bin pappsatt. Aber ich brauche etwas Süßes, um die Würzigkeit zu kontern. Ich entdecke als letzten Eintrag der Karte: バスケチーズケーキ。Baskischer Käsekuchen. Ich frage nach, ob der denn auch süß sei. Ich inferiere aus der Antwort, dass man es riskieren könne, ihn zu bestellen. Er ist ein wundervoller Kontrapunkt zum Oden, süß, aber nicht zu süß, sogar mit etwas Salz oben drauf. Der beste Käsekuchen bisher hier in Japan. Ich sage, dass der Kuchen meiner Frau Mama auch nicht zu süß sei. Und so soll es auch sein bei Käsekuchen.

Ich bin stolz, diese Wahl getroffen zu haben, satt und glücklich, und als wäre das nicht genug, bekomme ich auch noch einen Lolli beim Bezahlen. Hier muss ich mal wieder her. Auch die Gegend ist nett, und es gibt einiges an Restaurants und Izakayas. Auf dem Weg zurück schickt mich Google Maps auf einen etwas anderen Weg. Ich nehme ihn ergebend an. Mir begegnen einige Menschen unterwegs, aber es ist sehr still. Viele joggen im Schutz der Nacht, angefangen bei den Teenager-Jungs bis zu den älteren Herren. Ein paar Jungs (高校生) lassen kleine Feuerwerksknaller im Park steigen. Familien mit kleinen Kindern spazieren nach Hause, scherzen und lachen ausgelassen. Ich vermute, weil es abend ist und wenig Leute sie sehen und hören könnten. Da kann sich der Japaner etwas freier geben. Da geht er auch mal über die rote Ampel. Denn: die Gesellschaft beobachtet einen nicht.

気持ちいい heute abend, gute Stimmung. Auch bei mir. Obwohl ich hier heute nur Beobachter, nur Gast bin. Langsam kommt mir die Gegend aber vertrauter vor. Langsam verstehe ich ein wenig mehr.

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