Kurz vor Ende des Sabbaticals besuchen C. und A. Japan. Ich freue mich auf die zwei. Wir starten mit Ihrem Lieblings-Ramen in Kanda. A. ist schwanger, daher wird einer der wichtigsten Sätze auf dieser Reise sein „Ist das durch?“. Wir haben einen Flug nach Kyushu geplant. Zuvor aber erst einmal einige Tage Tokyo. Wir besuchen Rosengärten im herbstlichen Wetter,

und essen unter anderem Kirintampo im Namahage Dining (im Bild der Hausherr bei der Stubenmusik),



machen einen Ausflug in Shinjuku, wo ich, weil ich warten musste, dieser netten jungen Dame live zuhören konnte (ich habe sie dann bei Spotify abonniert)

und mit P. und seiner frischgebackenen Frau ein hervorragendes Shabu-Shabu, nach einem Besuch des Süßkartoffelfestes in Nakano. Ein vergnüglicher Abend.

Schwerpunkt der Reise ist aber Kyushu. Die Insel, die südlich an die Hauptinsel Honshu anschließt. Wir besuchen Fukuoka, dort gibt es hervorragenden Tonkotsu-Ramen, Illuminationen, eine schöne Flußpromenade mit Streetfood, die Hauptfiliale von Ichiran-Ramen, in der Umgebung einen wundervollen, monumentalen liegenden Buddha, und den Schluß ziert ein (viel zu früher) Weihnachtsmarkt:







Kumamoto ist die zweite Station der Reise. Viel kleiner als Fukuoka, liebenswert. Die Stadt ist eine einzige Einkaufsmeile, will uns scheinen. Hauptattraktion ist dieses Kerlchen, genannt Kumamon, Maskottchen, überall zu sehen, und ein milliardenschwerer Wirtschaftsfaktor der Stadt:


Wir besuchen das Schloß und chartern am nächsten Tag ein Mietauto, um eine wundervolle Wasserfalllandschaft und die atemberaubenden Vulkane in der Umgebung zu beobachten. Spezialität ist hier übrigens u.a. Pferde-Sashimi…







Der Autor mit neu erstandener Jacke, nach anstrengendem, aber erfüllendem Wandern in der Wasserfallschlucht:

Wir besuchen eine gemütliche Stehkneipe in Kumamoto, sogar zwei mal (https://www.instagram.com/stand_shogiku/). Der nette junge Bartender serviert auch Oden, japanischen Eintopf, und bietet hervorragenden Sake an. Dieser ist nicht im Bild, nur mein Miniatur-Bierchen neben C’s normalem:

Ich plaudere ein wenig mit ihm, und überzeuge so langsam die Mitreisenden, dass ich etwas gelernt habe während der letzten Wochen. Auch beim Tempura kann ich mit meiner japanischen Nebensitzerin plaudern. Sie wohnte in Shimokitazawa, nicht weit weg von meinem Apartment in Tokyo, und gibt Tipps für Bestellung und Verzehr. Natürlich wird mein Japanisch gelobt, Balsam für die Seele des so selten etwas Verstehenden. Kumamoto sollte man einmal wieder besucht werden.
Nach zwei weiteren Tagen in Tokyo, Abstechern nach Shibuya, Yakiniku und Ginko-Festival sind die beiden nun wieder auf dem Weg nach Deutschland.
Ich merke einmal wieder, dass sich das Reisen mit Begleitern von meiner, durch wohldurchdachte Planlosigkeit geprägten Art des Reisens und Lebens hier stark unterscheidet. Es gibt oft Diskussionen, besonders am Anfang knallt es ab und an auch. Doch ein Gewitter reinigt die Luft, darauf folgt Versöhnung und Umsicht gegenüber dem anderen. Am Ende der Reise haben wir uns gut zusammengerauft. Wie jedes Mal.
Ich merke, dass das gemeinsame Reisen Kraft gekostet hat. Ich habe die letzten Wochen hier „normal gelebt“, mit dem Sprachkurs auch eine Art geregelten Alltag gehabt. Nun dieses sehr durchgetaktete Programm, mit viel, viel Essen und Trinken, Ausflügen, frühen Flügen zwischendurch – das war anstrengend für mich. Gleichzeitig dringt immer mehr die Erkenntnis durch, dass sich das Sabbatical dem Ende zuneigt. Dieser Aufenthalt ist eben nicht „nur“ Urlaub, sondern auch ein Experiment, um zu sehen, wie das Leben sich hier anfühlt. Es zieht in der Brust, wenn ich das schreibe. So viel habe ich hier erlebt, so viele Menschen kennengelernt. Setagaya ist ein klein wenig Heimat geworden. Das habe ich gemerkt, als ich nach den 5 Tagen Kyushu wieder „heim“ gekommen bin, in mein winziges Apartment in Hanegi. Gleichzeitig ist es natürlich nur ein „first taste“. Ich weiß, dass ich nächstes Jahr wieder hierher kommen muss, in dieses Land, nach Tokyo und Osaka, für eine längere Zeit. Aber ich weiß auch, welche Dinge für mich wichtig sind, und dass viele davon in Deutschland sind. Kann es funktionieren, eine solche Aufteilung zwischen diesen beiden Ländern zu erreichen? Ich hoffe es sehr.
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